Deenesh Ghyczy: „Tuning In“

In der Werkgruppe „Tuning In“ verfolgt Deenesh Ghyczy ein ästhetisches Konzept der Kontingenz, einer gerichteten Offenheit, indem er versucht, seinen Bildakteuren eine besondere Freiheit zuzugestehen. Denn seine Figuren zeigen sich wie unter einer Glasschicht, lassen keine Konzentration auf eine bleibende Ansicht zu. Lichtbrechung und Streuung bestimmen die Szene. Die Perspektive auf das Bildgeschehen ist die Wirklichkeit, die sich durch den Akt des Wahrnehmens selber generiert. Ghyczy überlässt dem Betrachter eine angemessene Freiheit, die Gegenstände zu erfassen, mit einer kalkulierten Entgrenzung setzet sie die verschiedenen Sinneszüge immer wieder neu zusammen.

Die suggerierte Bewegungssequenz der Abgebildeten mündet trotz ihrer Dynamik, und das ist ein bemerkenswerter Kunstgriff, in eine breitbändige Stille. Die Ambivalenz bleibt letztlich siegreich. Denn Ghyczys ausgeglichene Kompositionen beschreiten stets den Weg von Balance und Absinken, von Erfassen und Neuorientierung, von Erkenntnis und Latenz. Die Form ist zerbrochen, die Einheit aber bleibt Diese Einheit ist bei Ghyczy in einer beschwingten Balance und das Rätsel der Protagonisten wird an uns weitergegeben und zwar in einem unendlich erscheinenden Spektrum des Sehens und Projizierens. (gekürzt Uwe Goldenstein)

Deenesh Ghyczy, geboren 1970, Diepholz. Nach Übersiedlung in die Niederlande, dem Besuch der Gerrit Rietveld Akademie, Amsterdam und der Akademie der Bildenden Künste, Budapest lebt und arbeitet Deensh Ghyczy von 1992-2005 in Budapest. Neben Ausstellungen in Budapest war Deenesh Ghyczy mit seinen Werken u.a in Galerien in Köln, Bielefeld und Berlin vertreten. Seit 2005 lebt und arbeitet der Künstler in Berlin.