Deenesh Ghyzcy, Berlin

WERKE

Werkgruppe “Tuning In” (2009)

VITA

1970 geboren in Diepholz
1972 Übersiedlung in die Niederlande
1988-1990 Gerrit Rietveld Akademie, Amsterdam
1990-1991 Akademie der Bildenden Künste, Budapest
1991-1992 St.Luc Akademie, Brüssel
1992-2005 lebt in Budapest
2005 lebt in Berlin

EINZELAUSSTELLUNGEN (Auswahl)

2008 „Mentale Collage“, Erika Deák Galerie, Budapest Hybriden, Berlin Art Scouts, Berlin (kuratiert von Marc Wellmann)
2007„Siamesische Savants“, Emmanuel Walderdorff Galerie, Köln
2006 „Beobachtungen“, Vizivárosi Galerie, Budapest (mit Tibor Iski Kocsis)
2005 „Zweite Schicht“, Emmanuel Walderdorff Galerie, Köln
2004 „Zwischen zwei Welten“, Erika Deák Galerie, Budapest Spiegelungen, Kunstraum die Rampe, Bielefeld
2003 „Das Glas und das Mädchen“, Ignác Tragor Museum, Vác, Ungarn
2003 „Vakuum – Raum“, Goethe-Institut, Budapest, Fragil, Erika Deák Galerie, Budapest
2003 „Unzerbrechlich“, Emmanuel Walderdorff Galerie, Köln (Katalog)
2001 „Mit anderen Augen“, Szinyei Salon, Budapest
2000 „Teilung“, Illárium Galerie, Budapest
1999 Várfok Galerie, Budapest
1997 „Auflösung und Gerinnung“, Vizivárosi Galerie, Budapest (K.)
1996 „Persönliche Projektion“, Várfok Galerie, Budapest

GRUPPENAUSSTELLUNGEN (Auswahl)

2009 „Host Culture“, Vizivárosi Galerie, Budapest
2008 „10 Jahre“, Erika Deák Galerie, Budapest
2008 „Fragile Welten“, Galerie im Park, Bremen (mit Anja Fußbach, Peter Hampel und Philip von Mentzingen, kuratiert von Uwe Goldenstein)
2007 Kunstraum B, Kiel (mit Lilla von Puttkamer), Die Drostei, Pinneberg, Life Spotting, Vonderbank Galerie, Berlin (mit Jörg Lohse und Anne Wölk)
2007 „Zeit’n’Geist II“, Vonderbank Galerie, Hamburg
2006 „Art Forum Berlin“, Messe, Berlin (Erika Deák Galerie)
2006 „Figure & Space“, Vonderbank Galerie, Berlin
2006 „Kunstrai“, Messe, Amsterdam (Emmanuel Walderdorff Galerie)
2005 „Analog“, Szinyei Salon, Budapest (mit Tamás Fuchs und László Györffy)
2005 „ArtFrankfurt“, Messe, Frankfurt (Emmanuel Walderdorff Galerie)
2005 „ViennAfair“, Messe, Wien (Erika Deák Galerie)
2004 Medienfabrik: Interface, ehemalige Zsolnay Fabrik, Pécs, Ungarn
2004 „ArtFrankfurt – Förderkoje“, Messe, Frankfurt (Emmanuel Walderdorff Galerie)
2004 „Technoreal ?“, Institut für zeitgenössische Kunst, Dunaújváros, Ungarn
2003 „Portrait“, Erika Deák Galerie, Budapest
2003 „Cream 2003“, MEO, Budapest
2002 „Bisector“, Cadre Rouge Galerie, Budapest
2002 „Geerbter Realismus“, Städtische Galerie, Szombathely, Ungarn (K.)
2001 „Aritmia 9 – Konstellation“, Institut für zeitgenössische Kunst, Dunaújváros, Ungarn
2000 „Rotation“, Várfok Galerie, Budapest
2000 „Art Expo-Frisch“, Kunstmühle, Szentendre, Ungarn (K.)
2000 „Dialog – ungarische Malerei um die Jahrtausendwende“, Kunsthalle, Budapest
1997 „Öl auf Leinwand“, Kunsthalle, Budapest (K.)

PROJEKTE

“Tuning In”, 2009

Ghyczys Figuren könnten etwas verbergen. Prismatisch geöffnet und gleichzeitig nach innen gewendet bewegen sie uns zur Einsicht, dass sie selbst, wie die Welt um sie herum, unerreichbar seien. Ihre entrückte, fragmentierte Erscheinung fängt unseren Blick wie durch einen Trichter ein und führt ihn in ein diffuses Unbewusstes. Die Welt in groben, vakanten Farben und sich auflösenden Formen zurücklassend. Der Künstler gleicht einem Steuermann, denn nur er ist in der Lage, die Szenerie einzupegeln, zu tunen und die Schichten der Wahrnehmung zu bestimmen, um uns anschließend durch sie hindurch zu geleiten.

In seiner Werkgruppe Tuning In verfolgt Deenesh Ghyczy ein ästhetisches Konzept der Kontingenz, einer gerichteten Offenheit, indem er versucht, seinen Bildakteuren eine besondere Freiheit zuzugestehen. Denn seine Figuren zeigen sich wie unter einer Glasschicht, lassen keine Konzentration auf eine bleibende Ansicht zu. Lichtbrechung und Streuung bestimmen die Szene. Die Perspektive auf das Bildgeschehen ist die Wirklichkeit, die sich durch den Akt des Wahrnehmens selber generiert. Ghyczy überlässt dem Betrachter eine angemessene Freiheit, die Gegenstände zu erfassen, mit einer kalkulierten Entgrenzung setzen wir die verschiedenen Sinneszüge immer wieder neu zusammen.

Wie ein Kristall öffnet sich das Motiv, die Momenterfahrung vergegenwärtigt sich als eine Melange aus inneren und äußeren Eindrücken und Stimmungen. Diese Erfahrung des Gleichzeitigen bleibt für Ghyczy wesentlich. Subtil bewirkt das malerische Raster eine Distanz zum Objekt und verweist auf die Schichten unter einer psychischen Oberfläche. Diese Bewegung tangiert zudem die Sicht der Figuren auf sich selbst. Die Art und Weise, die Struktur des Blicks auf das Bild geht mit der nach innen gekehrten, selbstreflexiven Haltung der Portraitierten einher.

Die suggerierte Bewegungssequenz der Abgebildeten mündet trotz ihrer Dynamik, und das ist ein bemerkenswerter Kunstgriff, in eine breitbändige Stille. Die Ambivalenz bleibt letztlich siegreich. Denn Ghyczys ausgeglichene Kompositionen beschreiten stets den Weg von Balance und Absinken, von Erfassen und Neuorientierung, von Erkenntnis und Latenz. Die Form ist zerbrochen, die Einheit aber bleibt. Denn wie unsere Wahrnehmung besteht die Grundform jedes Bildes aus einer Einheit von Vergangenheit (Narration), Gegenwart (Sehen) und Zukunft (Projektion). Diese Einheit ist bei Ghyczy in einer beschwingten Balance und das Rätsel der Protagonisten wird an uns weitergegeben und zwar in einem unendlich erscheinenden Spektrum des Sehens und Projizierens. Der blinde Fleck auf der Netzhaut ist bei Ghyczy als Metapher zu verstehen, der den unsichtbaren Ablauf der Anschauung sichtbar machen will. Er gerät an die Bildoberfläche in vielfacher Ausprägung, in einer gleichberechtigten Sequenz von synchronen Erscheinungen.

(Kurator:Uwe Goldenstein)

Homepage: http://www.dghyczy.com/